Langsames Reisen
Der nachfolgende Auszug aus einem meiner Reiseberichte erklärt Ihnen das Konzept - auf der Suche nach dem Ankommen, langsam Reisen - wohl am besten.

...19. September 1998: Ahe liegt unterhalb des Klosters Kohlhagen und besteht aus einem Bauernhof mit Pension. Die Pferde sind bepackt, alles wasserdicht verstaut. Peggy trägt 2 große Packtaschen seitlich des Sattels und 4 wasserdichte Packsäcke darauf verschnürt.  Als Packpferd muss man schleppen. Peggy trägt Zelte, Schlafsäcke und  Isomatten, Wanderreitzaun, Kochgeschirr, Kocher und Essen, 3 Liter Wasser, das Nötigste an Hufbeschlagswerkzeug, Erste Hilfe Koffer für Pferd und Wanderer. Jule, das Reitpferd, hat hintere und vordere Packtaschen für Karten, Essen und Wasser für den Tag,  Stallhalfter und das ganze Kleinzeug von Taschenmesser, Kompass, Fotoaperrat bis Handy. Hinter und vor dem Sattel sind noch 2 Packsäcke mit den Restlichen Anziehklamotten und den Regensachen verschnürt. So stehen wir also um 9,00 Uhr auf dem Hof der Familie Neuhaus in Ahe. Es geht los.



Von Ahe, der Hof der Familie Neuhaus liegt direkt am Waldrand, geht es in Richtung Heinsberg. Der Weg führt über die reichlich vorhandenen Wirtschaftswege durch Buchen und Fichtenwälder. Bis auf wenige Strassen- Überquerungen ist man nur in dem ausgedehnten Waldgebiet am Fuße des Rothaarkammes. Auf halber Strecke macht der Waldweg eine langgezogene Rechtskurve. Ich habe hier schon dreimal gestanden und mich jedes mal gefragt ob unser Weg denn nun wirklich in diese Tannenschonung, weg von dem breiten Wirtschaftweg abbiegt. Die Zweige hängen knapp auf 1,00 m, der Weg ist unkenntlich, geht steil bergauf. Es ist oft so mit den Wegen, die Vorstellung findet sich nicht so oft in der Wirklichkeit wieder. Von dem Höhenkamm geht es vorbei an riesigen Abraumhalden serpentinenartig in das Tal von Heinsberg. Der Ort ist der typische kleine Fremdenverkehrsort am Fuße des Rothaarkammes. Gehöfte, Pensionen, Gaststätten und die letzte Möglichkeit mit der EC – Card Geld abzuholen. Über die schmalen Dorfstrassen geht es steil bergan. Fußballplatz mit Vereinsheim, Schützenhof, Feuerwehrhaus und Kirche. Man passiert das ganze Spektrum des Dorflebens, leicht schwitzend und hechelnd, die Steigung ist nicht von Pappe.



Oben angekommen das erste Kreuz in der Landschaft, von Weitem sichtbar mit schlankem, hohen Fuß, darauf das schlichte lateinische Kreuz. Je länger man in dieser Landschaft unterwegs ist, je freudiger nimmt man das Kreuz in der Landschaft wahr. Jenseits von Institution Kirche und Christentum erhält das Kreuz in der Landschaft seine universelle Bedeutung zurück.

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Die Suche nach dem Ankommen heißt die Geschichte. In der Natur, so geschunden sie auch hier sein mag, ist das Kreuz ein Symbol des Aufgehobenseins, des Ankommens. Der Wald von Ahe bis Heinsberg, Nutzwald mit breiten, angeblich unromantischen, geschotterten Wirtschaftwegen, der vielbeschrieene Wald, mit auf Blechschildern verewigten Schadstufen, ich bin in ihn immer geflohen von den zugeschissenen, verarmten Weiden auf denen ich zum Glück die Pferde eine Nacht abstellen und mich selbst zur Ruhe legen durfte. Wald ist tröstlich. Immer noch, auch deutscher Nutz und Kulturwald.



Im Angesicht der intensiven Nutzung unserer Silolandwirtschaft, des an Siloballen des letzten Jahres angebundenen Jungviehs und des riesigen, allgegenwärtigen Fäkalien- Autoreifen – und Silofolien Problems ist der Wald tröstlich. Oben am Kreuz angekommen noch eine kurze Strecke durch das heideartige Plateau und man steht an der Furt eines kleinen , ein bisschen künstlich auf Gebirgsbach getrimmten Wasserlaufes. Mit ein bisschen Aufforderung durchqueren die Pferde die Furt ohne Probleme. Reitend auf dem Pferd wunderbar, zu Fuß, das Pferd am Strick, können die Füße schon mal nass werden. Von 450 m ü. NN geht es langgezogen auf  700 m. Ist weder alpin, von Mount Everest und Nanga Parbat ganz zu schweigen.Sauerland. Für so einen Flachlandtiroler wie mich mit relativ fetten Pferden super geeignet. Entweder von außen nass, weil es wie fast immer im Sauerland regnet, oder von innen nass weil du schwitzt wie Sau. Nass wirst du immer. Es ist ein super Gefühl, alles kocht, die Pferde gehen am Führstrick immer fleißiger. Man kommt gut voran. Zwischendurch immer mal wieder auf die Pferde, verschnaufen. Einfach, schön.

Nach 2 Stunden kommt man am Rheinweserturm auf dem Rothaarkamm an. 2 Gaststätten , 1 Holzturm, Sonntags viele Menschen, in der Woche so gut wie nichts, also wie immer im Sauerland. Bis hierher ist man ca. 25 km unterwegs, der nächste Ort auf dem Rothaarkamm ist Jagdhaus in 12 km Entfernung. Da überlegt man schon mal ob man die Nacht hier bleibt.

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